1) Legende über den Urspung
2) Geschichtliches
3) Die Wallfahrtskirche
4) Die Kapelle innen
5) Die Wallfahrten
6)Die Begräbnisstätte
7) Die Kriegswirren
8) Feste im Jahreszyklus
9) Die Eremiten
10) Gedicht über die Klause

Die Kapelle innen

Altäre

Jodocus Elens, Pfarrer in Rosport von 1621-1654, tat sehr viel für die Einrichtung der Kapelle. Sie ist geprägt durch die aus Sandstein gemeißelten, steinernen Altäre und durch die Predigtkanzel, die aus der Bildhauerwerkstatt der letzten Ausläufer der Hans-Ruprecht Hoffmann-Schule von Trier stammen. Hans Ruprecht Hoffmann (1540-1616) war in der Werkstatt des Cornelis de Vriendt in Antwerpen geschult und arbeitete auch später nach graphischen Vorlagen des Floriskreises. Seit 1570 war er selbständig in Trier, wo er herrliche Kunstwerke für den Trierer Dom schuf. Nach dem Tode des Meisters (1616) arbeiteten in dieser Werkstatt Johannes Manternach, ferner der Sohn des Meisters Heinrich Hoffmann (gest. 1623) und der Enkel Hans Ruprecht der Jüngere.

An Werkstattarbeiten sind bei uns erhalten u. a. Altäre in der Kapelle von Dickweiler (Spätrenaissancealtar aus Sandstein von 1617, Kreuzaltar von 1618, der frühere Altar in der Feldkapelle von Girsterklaus - alle drei stammen aus der Pfarrkirche von Rosport), Monbachrelief in Rosport (1626).

Der Hochaltar, Kunstwerk des frühen Barock, ist bekrönt durch das Relief mit der Darstellung der Verkündigung des Herrn an Maria. In der Mittelnische thront das Gnadenbild U.L.F. von der Girsterklaus, sitzend mit Kind. In der rechten Nische ist der Apostel Mathias (weist auf die benachbarte Abtei St. Mathias in Trier hin), links ist der hl. Jodocus, Schutzpatron des Pfarrers, dargestellt.

Das Antependium am Hochaltar – Schutzmantelmadonna von Josy Jungbluth aus
Remich, Geschenk an die Muttergottes während des Krieges -, wurde am 20. August 1944 eingeweiht.

Der rechte Seitenaltar hat einen barocken Aufbau: zwei korinthische Säulen mit reich profiliertem Gebälk, darauf zwei Voluten. Er ist dominiert von der monumentalen Statue des hl. Lukas. Links befindet sich die Statue der hl. Anna und rechts des hl. Joachim, Eltern der Jungfrau Maria. Besonders reich und lebendig ist die Gewandung dieser beiden Statuen.

Die Krönung Mariä wird auf dem linken Seitenaltar verherrlicht. Sie bildet das Mittelstück.
"Die Darstellung der Verherrlichung Mariens auf diesem Altar dürfte in Zusammenhang stehen mit dem bis heute offiziellen Patroziniumstitel der Kapelle, die näherhin der Aufnahme der Gottesmutter in den Himmel ' der ,Assumptio', geweiht ist. Wohl im späten 17. Jh. dürft erstmals dieser Titel für das Marienheiligtum von Girsterklaus gebraucht worden sein. Nicht von ungefähr ist auch die wertvolle Rokokomonstranz der Kapelle aus dem 18. Jahrhundert mit der Darstellung der Assumptio geschmückt." (Prof. Michel Schmitt)

Die beiden Seitenaltäre sind bekrönt mit dem Relief des Jesus-Monogramms.

"Die in Sandstein skulptierten Statuen der beide Seiteiialtäre gehen nicht mehr auf den Einfluß der Hans-Ruprecht-Hoffmann-Werkstatt zurück. Sie sind in ihrer kräftigen Formensprache dem Hochbarock aus dem Ende des 17. Jahrhunderts schon näher und dürften aufgrund ihrer stilistischen Merkmale dem Umkreis des trierischen Meisters von St. Maximin', der häufig im Echternacher Raum vertreten ist, zuzuordnen sein." Prof Schmit


Predigtkanzel

Sie ist im Renaissancestil gestaltet. Im Mittelfeld ist das Wappen des Jodocus Elens, Pfarrer in Rosport und Wohltäter der Kapelle. Darüber befindet sich ein Engelskopf mit der Jahreszahl 1630, darunter die Schrift:
Jodocus Elens, Pastor in Rosport me fieri fecit.
Die seitlichen Brüstungsfelder tragen das Jesus-Monogramm IHS sowie die Marieninitialen.
"Mit dem heute in der Trinitarierkirche von Vianden sich befindenden und aus der früheren stadtluxemburgischen Jesuitenkirche stammenden Predigtstuhl ist sie in Luxemburg das älteste Beispiel, das anschaulich auf die vom Trienter Konzil neu betonte Verkündung des Wortes Gottes durch den Pfarrer im Kirchenraum hinweist." (Prof. Michel Schmitt)


Gnadenbild

Gnadenbild U.L.F. von der Girsterklaus

"D'Muttergottes vun der Hieselterheck" oder "Maria von der Haselstaude" nennt man das Gnadenbild, das auf dem Hochaltar von Girsterklaus den Ehrenplatz einnimmt. Nach der Überlieferung soll das Madonnenbild in einem Gebüsch, vielleicht dort, wo die Wallfahrtskirche steht, aufgefunden worden sein.

Pfarrer Joseph Knepper (Vikar in Dickweiler von 1928-1937), der sich zeitlebens mit den Gnadenbildern unseres Landes, insbesondere mit der Madonna von Girsterklaus, beschäftigt hat, hat in seinen schriftlichen Notizen festgehalten:
"Zu den schönsten, seltenen Holzstatuten des 13. Jahrhunderts gehört sicher die sitzende Madonna in dem uralten Heiligtum von Girsterklaus. Leider ist die Eichenholzfigur nicht intakt geblieben. Für gewöhnlich ist sie mit Kleidern so verborgen, daß ihr künstlerischer Wert nicht besonders auffällt. Besonders erfreut uns der typische schöne Kopf mit dem verklärten Lächeln im Gesicht. Die ganze Haltung der Madonna ist ritterlich, edel und fest."

Pfarrer Knepper datiert die Statue an den Anfang des 13. Jh.
"Das Alter ist gesichert durch die Form. Die Statue gehört ins Zeitalter der Sitzmadonnen. Der Stil größte Natürlichkeit - läßt nur den Anfang des 13. Jh. in Frage kommen. Unter dem Mantel trägt die Madonna den mit Lederriemen gegürteten Rock der Vornehmen. Charakteristisch ist: der Künstler hat den Riemen nicht gemeißelt, sondern gleich einen richtigen Lederriemen gegeben. Davon sind heute noch Zeugen, drei Nägel am fehlenden Gurt."

"Die Statue Unserer Lieben Frau vun der Hieselter Heck“ selbst erinnert, ähnlich wie das Wallfahrtsbild von Avioth in der altluxemburgischen Grafschaft Chiny, in kunstgeschichtlicher Hinsicht eindeutig an die Madonnendarstellungen der Übergangszeit zwischen Romanik und Gotik, die sich in unseren Gegenden im frühen 13. Jahrhundert vollzog. Das Bild selbst ist in Konzeption und Aufbau noch deutlich inspiriert am Typus der thronenden Madonna des 11. und 12. Jahrhunderts. Es knüpft somit an die ältesten, noch erhaltenen Bildzeugnisse der Marienverehrung auf luxemburgischem Boden an.

Bezeichnenderweise stammen diese Zeugnisse alle aus dem Echternacher Raum, in welchem auch Unsere „Liebe Frau von der Hieselter Heck“ beheimatet ist." (Prof. Michel Schmitt in einem Artikel: Die Marienwallfahrt zur Girsterklaus - LW 16. Aug. 1989). In selbigem Artikel heißt es . . .

"In seiner künstlerischen Grundkonzeption greift das Wallfahrtsbild der Girsterklaus näherhin zurück auf die älteste und monumentalste Mariendarstellung in Luxemburg, die thronende Madonna auf dem sog. Irminen-Altaraufsatz im Staatsmuseum von Luxemburg, der aus Echternach oder Rosport (Irminenkapelle) stammt und im 12. Jahrhundert entstanden ist. Tritt in dieser in Stein gemeißelten Darstellung Maria in streng frontaler, hieratischer Haltung mit weitgeöffneten, visionären Augen, dem Jenseits verpflichtet, dem Betrachter entgegen, so haben sich demgegenüber im Marienbild der Girsterklaus Haltung und Blick aufgelockert. In den Gesichtszügen der Mutter und in den Gewandfalten kündigt sich die neue Zeit der Gotik an, die dank einem zusehends entwickelteren Wirklichkeitssinn in der Frömmigkeit menschlichere Maßstäbe in die Darstellung des Christus- und Heiligenbildes hineinprojiziert und das Marienbild der Romanik zum Bild "Unserer Lieben Frau" entwickelt."



Statuen

Die Klause ist mit ihren vielen Barockstatuen, die aus dem 18. Jh. stammen, ein kleines Museum. Wo die Muttergottes thront, sind auch die Heiligen zu Haus. So hat das Volk in seinen Anliegen bald
zum hl. Erasmus für seine fallsüchtigen Kinder,
zum hl. Sebastian um Abschirmung gegen Pest und Seuche,
zum hl. Hippolyt für seine Pferde,
zur hl. Ottilia und Walburga für Augenleiden, zum hl. Donatus für Blitzgefahr gebetet. Die Statue des hl. Willibrord deutet auf die tiefe Verehrung des Abteigründers von Echternach hin.

Auf der linken Seite des Mittelschiffes sind dargestellt: St. Sebastian, St. Clemens, St. Donatus, St. Barbara, St. Willibrord, St. Ottilia.

Auf der rechten Seite: St. Valentin, St. Erasmus, St. Bernard von Clairvaux, St. Stephanus, St. Walburga, St. Hippolyt.

Auf dem linken Seitenaltar stehen die Statuen der beiden Märtyrer und Ärzte St. Cosmas und St. Damian.

In der Fensternische darüber der hl. Rochus.

Die Verehrung des heiligen Joseph, dessen Statue rechts neben dem Haupteingang der Kapelle zu sehen ist, hat im letzten Jahrhundert sehr zugenommen. Jedes Jahr, am 19. März, wird ein feierliches Hochamt für die Verehrer dieses volksnahen Heiligen gehalten.

Wie kamen die Heiligenfiguren in die Kapelle von Girsterklaus?

Es wird überliefert, daß Bruder Johannes Feidt ein eifriger Sammler von Statuen war. Er hat sie in der Kapelle zusammengetragen, um das Heiligtum zu verschönern. Pfarrer Marcel Feller, Betreuer der Pfarrei Rosport von 1940-1945, hat verschiedene Statuen, die er in abgelegenen Ecken von Kirche und Kapellen der Pfarrei entdeckt hat, restaurieren und auf Girsterklaus aufstellen lassen. Andere Figuren wurden als Dank für besondere Anliegen vom Volke gestiftet.


Stationen

Die kleinen Stationsbilder stammen aus dem Jahre 1878. Auf der vierten und elften Station steht der Name der Malerin, die sie geschaffen hat:
0.v.L.L. = Oktavie von Lasalle-Louisenthal
.
Sie stammte aus dem Schloß Dagstuhl, das 1762 erbaut wurde von dem Grafen Josef Anton von Oettingen-Soetern. Neben dem Schloß steht noch der Turm des Stammschlosses, das von Ritter Boemund von Saarbrücken im Jahre 1290 errichtet wurde.

Der heilige Johann Baptist de Lasalle (1651-1719), Kanoniker in Reims, Stifter des Schulbruderordens, gehört zur Familie; ein großes Gemälde des Heiligen ziert das Schloß in Dagstuhl. So mag es nicht wundern, daß spätere Mitglieder der Familie sich durch ein frommes, heilig mäßiges Leben auszeichneten und den Hauptzweck ihres Daseins in der Übung der Nächstenliebe und der Verehrung Gottes sahen wie auch Gräfin Oktavie von Lasalle-Louisenthal, dere Familie seit 1807 im Besitz des Schlosses ist.

Gräfin Oktavie wurde im Volksmund "die Malergräfin" genannt. Unvermählt geblieben, verbrachte sie ihr Leben mit Malen. Das Schloß birgt manche Gemälde von ihrer Hand, meistens Bildnisse der Familienmitglieder, darunter auch ein Bild von ihr selbst, ihre Audienz bei Papst Leo XIII. darstellend. Bekannt sind ihre Kreuzwegbilder in Lebensgröße in den Pfarrkirchen von Lockweiler in der Nähe von Dagstuhl und von Osburg, in kleinem Format in Beilstein, im Schwesternheim von Waldbreitbach und im Krankenhaus von Wadern, das von ihr und ihrem Bruder erbaut wurde.

Auch die Stationsbilder von Girsterklaus sind ein Werk von Gräfin Oktavie. Die Bilder in der Größe von 18 x 26 cm, mit dem Rahmen von 22 x 29 cm, sind auf dünnen Blechplatten ausgeführt. Auf der vierten und auf der elften Station stehen die Initialen ihres Namens, genau geschrieben wie auf den Stationsbildern von Lockweiler, ihrer Heimatkirche. Auf der elften Station steht auch die Jahreszahl 1878. Als Christusvorbild saß der Malerin der unglückliche König Ludwig 11. von Bayern Modell, mit dem ihre Familie eng befreundet war. Zur Darstellung der Mutter Gottes diente ihr die eigene Mutter. Die Bilder auf Girsterklaus machen an einigen Stellen den Eindruck, als ob eine fremde Hand, die die zarte, hauchfeine Malerei der Künstlerin nicht verstand, nachgearbeitet hätte.

Die Stationsbilder waren für Schloß Temmels in Auftrag gegeben worden am 18.10.1877. Am 2.4.1879 erfolgte die Übergabe. Es ist anzunehmen, daß die Bilder nach Girsterklaus kamen mit dem Bau der Totengruft "Temmelskapelle" durch die Schloßbesitzer von Temmels. Die Bilder hatten ihren ersten Standort in genannter Kapelle.


Glocken

Der Wallfahrtsort der Girsterklaus hat drei Glocken; sie haben ein Gewicht von 350, 275 und 225 kg.

Die beiden ersten stammen aus der Glockengießerei Mabillon, sie tragen die Jahreszahl 1886.

Die eine dieser beiden Glocken stellt ein Gelübde von deutschen Soldaten dar, das sie der Muttergottes machten, wenn sie gesund aus dem Krieg von 1870 heimkehrten. Sie trägt die Inschrift:
"Milites germani, in bello 1870 incolumes servati, in gratiarum actionem me dedicaverunt Mariae virgini in Girst"
("Deutsche Soldaten, welche im Krieg von 1870 unversehrt geblieben sind, haben zur Danksagung mich der Muttergottes von Girst geweiht.")

Die dritte dieser Glocken weist ein höheres Alter auf, sie stammt zweifellos schon aus dem 15. Jahrhundert oder ihr Geburtsjahr liegt noch weiter zurück. Somit hat sie das furchtbare Pestjahr 1625/26 erlebt, hat mit ihrem Schall manchem Unglücklichen das Todesgeläut gegeben. Diese Glocke trägt weder Widmung noch Inschrift. Ihre Charakteristik besteht darin, daß sie eine birnenförmige, langgezogene Form hat, wie sie nur äußerst selten anzutreffen ist.


Sklavenkette

Sie erinnert an die Legende des Ritters Elbert von Clerf. Als Andenken an seine wunderbare Befreiung ließ er Kette und Krücken in der, laut Legende, von ihm erbauten Kapelle aufhängen. Die morsch und brüchig gewordenen Holzreste der Krücken wurden bei den letzten Renovierungsarbeiten aus der Kapelle entfernt.


Orgel

Auf Initiative von Pfarrer Marcel Braun aus Rosport und mit der finanziellen Unterstützung eines Orgelbauvereins und vieler Muttergottesverehrer wurde ein Orgelwerk geschaffen, das sich harmonisch in den Rahmen der Kapelle einpaßt und eine wertvolle Bereicherung darstellt, indem es im Zusammenwirken von Organist und Sängern den religiösen Feiern einen besonderen Glanz verleiht. Am 6. Juli 1986 wurde die Pfeifenorgel eingeweiht. Sie wurde gebaut von der Orgelfabrik in Lintgen unter der Leitung des Orgelbaumeisters Georg Westenfelder.

Über die Orgel schreibt Prof. Norbert Thill u. a.
"...Orgelbaumeister G. Westenfelder hat hier ein einmalig klangschönes Instrument geschaffen, das man im wahrsten Sinne des Wortes als Kleinod bezeichnen kann ... Es gelingt nicht oft, sieben Orgelregister so genau zu mensurieren, derart fein zu intonieren und so spezifisch zu charakterisieren, daß eine bezaubernde Klangpalette erreicht wird, wie sie fortan in der Girsterklaus von Orgelfreunden und Künstlern bewundert werden kann. Dazu kommt, daß die raffinierte Standortwahl - das Instrument mit seinen 498 Pfeifen versteckt sich in einem Gewölbebogen - die Raumakustik vorteilhaft ausnützt. Das gesamte Werk steht wohlbehütet in einem Schrank. Öffnet man die Flügeltüren, kommt ein schön disponierter Orgelprospekt zum Vorschein, der nach oben mit einem originellen Gitterwerk und zwei Einhornmasken abgeschlossen ist."



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